Kollegstufe


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Abiturrede 2010

- Stadthalle Aschaffenburg, 25. Juni 2010 -

Es gilt das gesprochene Wort!

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten, liebe Gäste!

Eigentlich …
... eigentlich habe ich in den vergangenen zwei Jahren oft genug vor euch gestanden und zu euch gesprochen.
... eigentlich war die allerletzte Kollegstufeninformation ja schon am 14. Juni.
… eigentlich hatte ich meinen Rücktritt von der Rednerliste schon bekannt gegeben.
… denn eigentlich wollte ich heute Abend einmal überhaupt nichts sagen!
... eigentlich ...

Aber dann lag vor drei Tagen ein Brief im berühmten Kollegstufenbriefkasten:
Was mir denn einfallen würde!
Das hat es doch noch nie gegeben, dass der Kollegstufenbetreuer bei der Abiturfeier nichts sagt!
Das geht doch nicht!
Und überhaupt: Nein, Herr Gnandt!

Also gut, doch im Gedächtnis gewühlt, Zitate gesucht, Gedanken gemacht – man hat ja sonst nichts zu tun. Vorübergehend zog ich sogar in Erwägung, mich kurzer Hand für gestern und heute krank zu melden, um diese Rede vorbereiten zu können. Vorbilder für solches Verhalten hatte ich ja genug. Zitat eines Kollegiaten: „Herr Gnandt, bei den vielen Schulaufgaben zur Zeit ist es aber auch sehr schwierig, am Tag vor einer Prüfung nicht krank zu sein.“

Sollte ich nun für diese Rede wieder einmal den guten alten Faust zu Rate ziehen?  Nun, wer mich kennt, der weiß, dass ich mit Fäusten nicht so gut umgehen kann und außerdem – die anwesenden Germanisten und Humanisten mögen es mir verzeihen – lagen mir Schiller und Goethe noch nie so recht.
Was aber aber ganz auf Gegenseitigkeit beruht, wie folgendes Zitat Goethes zeigt: „Die Mathematiker sind närrische Kerls und sind so weit entfernt, auch nur zu ahnen, worauf es ankommt, dass man ihnen ihren Dünkel nachsehen muss.“

Ich danke euch, dass ihr mir meine Dünkel immer nachgesehen habt, auch wenn ich nicht so recht weiß, ob ihr mich in den letzten Jahren als „närrischen Kerl“ erlebt habt.
Sicher, wir hatten schon manchmal unsere Meinungsverschiedenheiten.
Vor allem dann, wenn es um so völlig nebensächliche Dinge wie „Sauberkeit im Kollegstufenzimmer“ oder „Pünktlichkeit“ ging.
Nur als dann besagtes Kollegstufenzimmer im März dieses Jahres von so einem närrischen Kollegstufenbetreuer wegen – nennen wir es einmal – „zu geringerer Trefferquote im Papierkorb“ – allgemein sagt man dazu „übermäßige Verschmutzung des Fußbodens“ – als also das Kollegstufenzimmer von mir einfach zugeschlossen wurde, da standen die Stufensprecher plötzlich überpünktlich bei mir, nur um den Wunsch zu äußern, das Zimmer von Grund auf reinigen zu dürfen.

Von Einigen der hier Anwesenden einmal abgesehen, besserte sich im Verlauf der Kollegstufe eure Einstellung zum Aufräumen und zur pünktlichen Anwesenheit insgesamt nur unwesentlich. Dafür zeigten sich aber in der Sprachentwicklung erstaunliche Fortschritte.
Seit zwei Tagen haben wir es ja auch wieder einmal amtlich: Bayerische Schüler haben gegenüber Gleichaltrigen in Bremen beim Leseverständnis einen Wissensvorsprung von mehr als einem Schuljahr.
Das können wir ja gleich einmal auf die Probe stellen. Von einer Schülerin erhielt ich einmal die folgende Notiz. Man achte auf die vielfältige, aber stets korrekte Verwendung des Personalpronomens „sie“!

Zitat: „Meine Klausuren zurück an Herrn Drabke (D) und Frau Scheidler (E); Bettinas Klausur an sie, weil sie sie noch nicht gesehen hat, da ich sie für sie mitgenommen hatte am Freitag. Danke. (Bei Rückfragen: E-Mail oder Telefon.)“ Ende des Zitats. Alles klar, oder?  Selbstverständlich wurde der Vorname aus Datenschutzgründen von mir geändert.

Wozu also Klassiker zitieren, wenn die allerbesten Vorlagen und Ideen für eine Abiturrede von euch selbst stammen!
Zu guter Letzt behielt ich also doch wieder Recht: Es lohnt sich, wenn man sich langfristig auf einen Termin vorbereiten – sei es ein Referat, eine Schulaufgabe oder eine Abschlussfeier. Und selbst dann, wenn diese Vorbereitung nur darin besteht, zwei Jahre lang Schüleräußerungen zu sammeln!

Als Kollegstufenbetreuer hat man aber immer auch wieder mit der Mathematik zu kämpfen:
Ich meine jetzt nicht die durchaus komplizierte Notenarithmetik der Art:
„Wenn ich 4 Punkte in der Physik-Schulaufgabe schaffe und im Mündlichen 6, dann packe ich die Grundkurs-Hürde in Physik und muss dann nicht in Englisch Colloquium machen, sondern kann bei Religion bleiben, weil ich sonst 7 Grundkurs-Hürden hätte.“ Oder so ähnlich.
Nein, mir geht es um ein viel schwerwiegenderes Problem:
149 ward ihr am Anfang. Ein-hundert-neun-und-vierzig! Der Albtraum für einen Mathematiker. 149 – eine Primzahl! Wie soll man so eine Gruppe vernünftig aufteilen? 149 geteilt durch 4 ist 37 – Rest 1.
Wie oft stand Jan – als Letzter im Alphabet – mutterseelenalleine auf der letzten Seite der Anwesenheitsliste und musste sich dafür dann auch noch gehässige Bemerkungen seiner Mitschüler als „Papierverschwender“ gefallen lassen.

Bevor aber jetzt hier der Eindruck entsteht, in der Kollegstufe habe nur Chaos geherrscht, muss ich das gleich richtig stellen:
Eine ganze Gruppe von Kollegiatinnen und Kollegiaten hat neben der Schule, neben den Abiturprüfungen, aber vor allem auch danach nicht gechillt, sondern geplant, gerechnet und organisiert, damit diese Feier heute Abend gut gelingt.
Herzlichen Dank an Nadine, Anna, Jan, Alexandra mit ihrem ganzen Team!

Aber lasst mich doch noch einen zu Wort kommen, der heute schon einmal zitiert wurde. Von Albert Einstein stammt die Aussage: „Ich unterrichte meine Schüler nie; ich versuche nur, Bedingungen zu schaffen, unter denen sie lernen können.“
In diesem Sinn habe ich meine Aufgabe immer verstanden. Ich habe euch nicht unterrichtet, aber ich habe versucht, euch in diesen – sicher nicht immer ganz einfachen – Jahren zu begleiten und euch den Weg zum Abitur zu ebnen.
Es wird den Einen oder Anderen geben, der dies im Moment noch ganz anders sieht. Aber vielleicht werdet ihr mir später einmal Recht geben, wenn ihr an eure Kollegstufenzeit zurückdenkt!
Bei der alltäglichen Arbeit als Lehrer und als Kollegstufenbetreuer waren mir nicht das Abstempeln von Entschuldigungen, das Einsammeln von Empfangsbestätigungen, oder die Organisation von Informationsveranstaltungen wichtig, sondern, dass ich es mit Menschen zu tun hatte, dass ich für Menschen wie euch da sein durfte.

Was gibt es sonst noch zu sagen? Vielleicht noch das Eine: Während unsere Fußballer in Südafrika noch intensiv für den erfolgreichen Abschluss ihrer Torchancen trainieren müssen, habt ihr euer „Abenteuer Abitur“ – euer „Abiteuer“ schon geschafft.
Einige von euch wollten zunächst gar nicht so recht daran glauben und fieberten der Notenbekanntgabe arg nervös und auf das Äußerste angespannt entgegen. Einige zweifelten so sehr an sich und ihren Leistungen, dass sie vorsichtshalber schon mal ihre Schulbücher behielten. Die Letzten registrierten sogar erst gestern, dass es mit der Schulzeit nun tatsächlich zu Ende geht und gaben endlich ihre Bücher ab. Natürlich bekommen auch die heute ihr Zeugnis.

Und für die Zeit danach wünsche ich euch allen, dass ihr im Rückblick über eure Zeit am Dalberg-Gymnnasium sagen könnt:
„Es war schön, dort zur Schule gegangen zu sein. Es ist schön, zur Dalberg-Familie zu gehören!“
Auf Wiedersehen!

Christoph Gnandt


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© 2018 C. Gnandt, Mainaschaff - letzte Änderung dieser Seite am: 07.06.2018 20:55 - aufgerufen am: 25.02.2020 20:02